Die Verehrung des hl. Josef im Wandel der Zeit

(von Pfarrer Leo Brenzinger)


Der hl. Josef mußte lange warten, bis er als Heiliger in der Kirche ernst genommen wurde. Die früheste Erwähnung des hl. Josef findet sich in einem Buch aus dem Kloster Reichenau um das Jahr 850. Seit dem 9. Jahrhundert nahm seine liturgische und volkstümliche Verehrung immer mehr zu. Sie wurde besonders gefördert von seiten der Franziskaner. Auch in Mosbach geht die Verehrung des Heiligen auf den Franziskanerorden zurück, deren Kirche und Hauptaltar auch dem hl. Josef geweiht waren. Der Franziskanerpapst Sixtus IV. führte 1479 das St.-Josefs-Fest in der Kirche ein. Knapp zwei Jahrhunderte später wurde der 19. März zum gebotenen Feiertag erklärt. Ein Vergleich mit dem römischen Kalender zeigt die Feier des Festes der Minerva, der Göttin der Handwerker, am 19. März.

Im Jahre 1870 wurder der hl. Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche erhoben. Dieser Festtag wurde bis zur Liturgiereform am 3. Mittwoch nach Ostern gefeiert. Schließlich führte Pius XII. zum 1. Mai 1956 das Fest des hl. Josef, des Arbeiters, ein, auf daß "der 1. Mai sozusagen die christliche Weihe empfange und nicht mehr Ursache von Zwietracht, Haß und Gewalttätigkeit sei ..., sondern zu einer Einladung an die moderne Gesellschaft, das zu vollbringen, was dem sozialen Frieden noch fehlt".

In einem Stiftungsratprotokoll vom 29. Juli 1956 steht der einfache Satz als Feststellung: "Die neue Kirche soll das Patrozinium St. Joseph, opifex, 1. Mai, erhalten." Es bot sich in Mosbach, wie in einigen anderen Pfarreien der Erzdiözese, den neueingeführten Festtag als Patrozinium zu wählen. Es wird eine ständige Aufgabe der Kirche bleiben, dem "sozialen Frieden" zu dienen, auch 30 Jahre nach Einführung des Festes.

Mit dem Festtag soll der hl. Josef geehrt, aber auch die Würde der menschlichen Arbeit bewußt gemacht werden. Josef hat als Handwerker gearbeitet und für seine Familie den Lebensunterhalt aufgebracht. Wenn auch die heutige Arbeit in unserer Leistungsgesellschaft sehr anders geartet ist als in der alten Welt, bleibt die grundsätzliche Bedeutung der Arbeit dieselbe. Möge der hl. Josef uns helfen, die Fragen der Arbeit heute zu erhellen und zu klären.


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